Aktuelles Sozialberatung United Medinetz Öffnungszeiten Presse Links Impressum
......
   Willkommen
........
   Welcome
...
   Bienvenue
..
   Bienvenidos
.....
   Bem vindos
.....
   добро пожаловать
..
   Hoşgeldiniz
...
   Dobro do¨li
....
   مرحبا!, أهِ وسهِ
.
   Bine ati venit
.....
   Spenden Sie für STAY

   
Kto-Nr. 4 008 408 500
    BLZ 430 609 67
   
GLS-Bank Bochum

    Da stay! ein gemeinnütziger
    Verein ist, stellen wir Ihnen gerne
    Spendenbescheinigungen aus,
    die
steuerlich absetzbar sind.

STAY! erhält den Düsseldorfer Friedenspreis

Am 01. September 2009 wurde die Düsseldorfer Flüchtlingsinitiative STAY! e.V. mit dem Friedenspreis der Düsseldorfer Friedensbewegungen ausgezeichnet. Da die Initiative, nach Angaben der Preisverleiher, zum sozialen Frieden und Gerechtigkeit in der Stadt beitrage und hinschaue, wo andere weggucken, handele wo andere zögern, habe sie diese Preis redlich verdient. Bei der Verleihung im Düsseldorfer Maxhaus sprach Dominikanerpater Wolfang Sieffert die Laudation und lobte das Engagement der zahlreichen MitarbeiterInnen der Initiative. Lesen Sie Auszüge aus seiner Rede:

 
"Liebe Mitwirkende bei STAY!, Bert Brecht schrieb: „Die im Dunkeln sieht man nicht.“ Sie treten ein und kümmern sich um Menschen, die unsichtbar sind, die unsichtbar bleiben müssen, weil sie sich sonst gefährden. In Deutschland sind es schätzungsweise eine bis anderthalb Millionen Personen, die den Aufenthaltsstatus „unsichtbar“ haben. Für Sie sind sie vor allem eines: Menschen. Für sie sind Sie da.

In welchem Land findet das statt, zu welcher Gesellschaft gehört Ihr Einsatz?

Als ich 1990 im Kino in Peter Weir´s Film „Green Card“ (mit Andie MacDowell und Gérard Depardieu) gesehen habe, mit welcher Vehemenz in den USA illegal sich Aufhaltende verfolgt werden, da dachte ich: „Das wäre bei uns nicht möglich.“, und war stolz, Deutscher zu sein. Nur drei Jahre später war ich Seelsorger in einer für unser Land neuen Institution, einer Abschiebehaftanstalt. Und wir alle konnten hören und lesen von den detektivischen Mühen und dem Personaleinsatz, die für das Aufdecken von Scheinehen hier bei uns eingesetzt werden.

Natürlich: wir im Mainstream sind alle keine Rassisten, erst recht keine Neo-Nazis. Hier ist „in“ und gehört zum Design fast jeder Person, vor allem der Erfolgreichen, eine antirassistische Einstellung vorzuweisen. Es ist aber dafür nicht nötig, wirklich hinzusehen. Und schon gar nicht gehört es zum Persönlichkeitsdesign, sich in Ausländerzentren zu setzen, im Kulturverein mit türkischen Männern Tee zu trinken, mit Marokkanern bei einer Shisha eine Partie Schechmesch zu spielen oder mit Afrikarinnen zu tanzen. Und wer, außer manchen Erzieherinnen und Lehrerinnen, die meine größte Hochachtung haben, macht sich Gedanken darüber, wie wir in Kontakt kommen können mit muslimischen Frauen, die außer beim Einkaufen oder bei der Kinderärztin nicht auftauchen?


Ich frage noch weiter: wie und wo setzt sich unsere Gesellschaft damit auseinander, wie wir mit Menschen aus anderen Ländern und Kulturen umgehen? Es geht nicht nur um geklopfte Sprüche wie „Das Boot ist voll.“ oder „Ausländer nehmen uns die Arbeitsplätze weg.“ Der Diskurs über Ausgrenzungen, Xenophobie und alles, was dahinter steckt, wird längst nicht zureichend geführt. Es geht nicht nur um unterschwellige Ausländerfeindlichkeit in der Kriminalitätsberichterstattung und nicht nur um Politiker, die das Wort Rassismus kaum über die Lippen bekommen.


Es geht auch um sich manchmal sehr wissenschaftlich gebärdende Scheingefechte, Diskussionen um „Leitkultur“ oder um „Multikulturelle Gesellschaft“ und ob es letztere nun gibt oder ob sie gescheitert sei. Solche Auseinandersetzungen dienen, sofern sie nicht in die Tiefe gehen, auch dem Nichthinsehen – und erzeugen vor allem eins: sie machen müde und aller Auseinandersetzung überdrüssig. Vor allem muss gesehen werden, was wirklich los ist. Das geschieht viel zu wenig.


Dagegen steht STAY! Hier wird etwas getan, und indem es geschieht, zieht es durch die einzelnen, die es tun, Kreise im persönlichen und sozialen Umfeld und bis in die Medien. So bescheiden diese Mittel sind, STAY! setzt etwas gegen Unsichtbarkeit, Wegsehen und die Kultur bloßer nichtsnutziger Worte.


Wir leben in einer Gesellschaft, die durch die tägliche Informationsflut verroht und abgestumpft ist. Eine Sensation jagt die nächste und es bleibt keine Zeit, richtig zu begreifen, geschweige denn, zu verarbeiten. Die Konsequenz ist Gleichgültigkeit und eine Immunisierung gegenüber Langzeit-Problemen und latent schleichenden Gefahren. „Es ändert sich sowieso nie was. So schlimm ist es nicht. Ich selbst kann schon gar nichts dagegen tun!“

So hart es klingt, beim Thema Fremdenfeindlichkeit und Rassismus ist die Allgemeinheit in unserem Land nur schwer zu sensibilisieren und kaum noch zu mobilisieren. Solange nicht eine Katastrophe großen Ausmaßes geschieht, halten sich die Menschen die Ohren fast zu. Das Thema ist „out“. Die Leute sind übersättigt. Sie haben die Schnauze voll. Und wenn sie dann noch sehen, wie Prominente ihre fast schon mantrahaft vorgetragenen Bekenntnisse zu Demokratie und Integration aufsagen, schalten sie komplett ab. Viele gut gemeinte Aktionen erreichen so fast einen Gegeneffekt.


Dadurch war es möglich, dass wir in den letzten knapp zwanzig Jahren neben vielen schönen Worten im Bereich der ausländerrechtlichen Bestimmungen eine Verschärfung ungeheuren Ausmaßes erlebt haben. Wer Recht und Würde des Einzelnen nicht hoch hält und auch in der juristischen und administrativen Praxis – also in echt! – Wert schätzt, zieht nach und nach unserer Gesellschaft den Boden unter den Füßen weg, auf dem sie aufgebaut ist. Uns ist klar, dass Sklavenhaltung einer freiheitlichen, auf Menschenrechten basierenden Ordnung Hohn sprechen würde;  genauso klar ist zumindest bei uns, dass sich dort, wo Frauen elementare Rechte vorenthalten werden, eine auf der Menschenwürde aufbauende Kultur in Luft auflösen muss. Unklar dagegen ist in unserem politischen Miteinander, wie gefährlich für die verfassungsmäßigen Grundorientierungen nicht nur unterschwelliger bis offener Rassismus und die Alltagsdiskriminierung ausländischer Menschen sind, sondern auch die legale Diskriminierung und Kriminalisierung einer großen Gruppe hier mit uns lebender Menschen.


Über Zuwandernde wird gesprochen wie über potentielle Terroristen. Seit 2001 sind im Gefolge des 9. Septembers sogar vermehrt Zuwanderungen zu vermelden, die nicht nur ich für wirklich gefährlich halte, sondern viele im alten und guten Sinne liberale Menschen und Verfassungsrechtler. Es handelt sich um die Zuwanderung der Sicherheitsparagraphen! Bemühungen um Integrationsstrukturen haben sich in ein Ringen um Sicherheitsparagraphen, um Abschottung, Ausweisung, Abschiebung und Kriminalisierung verkehrt.


Durch eine Reihe verschiedener Gesetze hat sich nicht nur unsere Kultur in Geist und Atmosphäre verändert, sondern auch die faktischen Möglichkeiten, hier legal zu leben. Schengen hat mit seinen Verträgen Deutschland und Europa zu einer Festung gemacht, die Grenzen sind für Flüchtlinge dicht. Asyl wurde in dem Land, das einst Nazis beherrschten, ein papierenes Etwas, dem fast jede Wirklichkeit fehlt. In unser Land kommt jedenfalls so gut wie keine Person mehr hinein, die politischer, rassischer oder geschlechtlicher Verfolgung ausgesetzt war. Das verändert eine Gesellschaft und höhlt ihre Werte aus.(...) 

Es ist auch unser Land, aus dem der hier geborene Jugendliche abgeschoben wird, dessen Vater seine  Aufenthaltserlaubnis wegen Fahrens ohne Führerschein verwirkte. Es ist dieses Land, in dem immer noch völlig unklar ist, was nach Auslaufen der Altfallregelung mit ganzen Familien geschieht, die die engen Kriterien für einen Daueraufenthalt nicht erfüllen und in dem unsäglichen Status der Kettenduldungen gehalten werden.
Vieles muss sich ändern. Verbesserungen geschehen nicht von allein, sie setzen Menschen voraus, die sich einmischen und beteiligen. Sie setzen voraus, dass Beteiligung ermöglicht und erwünscht ist. Eine „civil society“ entsteht nicht von allein. Eine Zivilgesellschaft entsteht, wenn die Zivilcourage vieler gebündelt wird. Auch deswegen wird heute STAY! geehrt, weil es zu wenig Zivilcourage gibt.(...)

STAY! ist für mich beispielhaft. Wenn wir die Fundamente unserer Gesellschaft stützen wollen: Menschenwürde, Menschenrecht, gegenseitige Achtung und Respekt, dann braucht es den bürgerlichen Mut und den Einsatz, den Sie bei STAY! zeigen. Sie, die Sie STAY! tragen, leisten vorbildlichen Einsatz, denn Sie tun etwas.

Worte reichen nicht. Es reicht ja nicht, zu sagen: Ich habe nichts gegen Ausländer. Dieser Satz wird mir langsam zum meist gehassten. Wenn wir unsere freiheitlichen Werte ernst nehmen und sie nicht langsam aber sicher im Sand verlaufen lassen wollen, dann muss es mit STAY! heißen: Ich bin dafür! Ich setze mich für alle Menschen ein, die hier leben.

STAY! erhält heute den Düsseldorfer Friedenspreis. Ich hoffe, dass das für alle, die bei STAY! mitmachen eine Ermutigung ist und dass der Friedenspreis hilft, STAY! die verdiente öffentliche Anerkennung zu verschaffen. Ich gratuliere STAY! zum Düsseldorfer Friedenspreis – und ich gratuliere Düsseldorf zu STAY!"



Presseecho:

NRZ, 31.08.09: "Friedenspreis für die Initiative STAY!" - Worddokument

WZ, 02.09.09: "Friedenspreis geht an die Flüchtlingsinitative STAY! - Worddokument