Kaum noch Spenden für Geflüchtete. Düsseldorfer Vereine beklagen starken Rückgang an Geldern und Hilfsbereitschaft

aus der NRZ von Philipp Rose:

Als im Jahr 2015 rund eine Million Geflüchtete und Migranten nach Deutschland kamen, war die Hilfsbereitschaft riesig. Tausende Geflüchtete kamen auch nach Düsseldorf, wo viele Ehrenamtliche ihre Mitmenschen mit dem Nötigsten versorgten. Von der Hilfsbereitschaft ist knapp vier Jahre später jedoch kaum noch etwas zu spüren. So beklagen mehrere Düsseldorfer Vereine, die Flüchtlingsarbeit leisten, einen starken Rückgang an Spenden und Ehrenamtlichen.

„Wir bekommen derzeit rund 80 Prozent weniger Spenden als in den Jahren 2014 und 2015“, sagt Oliver Ongaro, Vorstand der Flüchtlingsinitiative Stay. Ab 2016 seien die Beiträge massiv eingebrochen. „Davor bekamen wir oft Gelder aus Charity-Veranstaltungen, zudem spendeten viele Unternehmen gerne“, so Ongaro. Doch mittlerweile bekomme man kaum noch Anfragen bei Stay. Ein Großteil der Spenden gehe nun eher an Obdachlosenhilfen – die natürlich ebenfalls viel Unterstützung brauchten, merkt Ongaro an.
Den Rückgang des Engagements erklärt sich der Vorsitzende der Initiative durch die anhaltend negative Bewertung der Flüchtlingssituation: „Teile der Politik verunglimpfen Organisationen wie unsere als Anti-Abschiebe-Industrie. Über Geflüchtete wird allgemein fast nur Negatives berichtet“. Im Jahr brauche Stay rund 100.000 Euro für Räumlichkeiten und Personal. Staatlich finanziert werden wolle man aber nicht: „Wir wollen uns politisch nicht abhängig machen“, so Ongaro.
Auch im Welcome-Center am Hauptbahnhof machen sich mangelnde Spenden bemerkbar: „Seit drei Jahren helfen wir dort Geflüchteten in allen Lebensbereichen, bis Januar dieses Jahres konnten wir uns über Spenden finanzieren“, sagt Hildegard Düsing-Krems, Vorsitzende des Vereins Flüchtlinge Willkommen in Düsseldorf, der das Center betreibt. Derzeit finanziere man sich zu einem guten Teil mit Geldern der Landesregierung.
Die Zahl der Geflüchteten ist zwar stark rückläufig, doch laut Düsing-Krems fange jetzt ein entscheidender Schritt an: „Am Anfang brauchten wir jede Hilfe, wie etwa Klamottenspenden. Doch jetzt geht es in die richtige Integration. Wir vermitteln jede Woche Geflüchtete in Arbeit, geben Rechtsberatung und helfen bei Behördengängen“. Viele Juristen würden sich im Welcome-Center engagieren: „Derzeit brauchen wir neben Spenden vor allem Spezialisten“, so die Vereinsvorsitzende.