Refugees welcome – wir meinen es immer noch ernst.

Liebe Unterstützerinnen und Unterstützer von STAY!,

sich für Geflüchtete zu engagieren ist derzeit nicht gerade en vogue: Drei Jahre nach „Wir schaffen das!“ kommt manchen das Thema zu den Ohren heraus, andere geben „der Migration“ die Schuld für alles, was in diesem Land nicht rund läuft, und die dritten diskutieren, ob es nicht doch moralisch vertretbar ist, Menschen zwecks Abschreckung im Mittelmeer ertrinken zu lassen. An der Situation derer aber, die vor Terror, Krieg oder Armut fliehen, ändern alle Diskussionen nichts. Das ist der Grund, warum wir von STAY! auch zehn Jahre nach unserer Gründung weiterhin Sozialberatung, medizinische Versorgung, (Aus-)Bildung und kulturelle Teilhabe für Geflüchtete organisieren.
Wir könnten an dieser Stelle viel über den aktuellen Rechtsruck schreiben, der uns jeden Tag beim Zeitunglesen auf den Magen schlägt. Unsere Wut ist groß über diejenigen, die von „Asyltourismus“ schwadronieren, die rassistische Hetze der AFD gutheißen oder – wie in Chemnitz und anderswo – gleich Jagd auf Menschen machen, deren Hautfa
rbe ihnen nicht passt. Wir sind fassungslos darüber, dass man darüber diskutiert, ob man es „Hetzjagd“ nennen darf, wenn Menschen verfolgt und geschlagen werden, anstatt darüber zu sprechen, wie man Menschen vor solchen Übergriffen schützen kann. Und wir können es tatsächlich nicht fassen, dass es Leute gibt, die kein Problem damit haben, wenn jemand neben ihnen in der Demonstration den Arm zum Hitlergruß reckt, die aber ernsthaft beleidigt sind, wenn anderntags in der Zeitung steht, Neonazis hätten demonstriert.
Stattdessen wollen wir hier aber lieber danke sagen. Für Ihre und Eure Unterstützung, dafür, was wir gemeinsam erreicht haben, und dafür, dass es immer noch Menschen gibt, die an ein solidarisches Miteinander glauben. Wir haben in diesem Jahr unser 10jähriges Bestehen gefeiert und viele von Ihnen und Euch sind einen großen Teil des Weges mit uns gegangen. Wir sind stolz darauf, dass wir es zusammen geschafft haben, Jugendliche bei einer Ausbildung zu begleiten, Kranke in Notsituationen zu versorgen und Menschen mit juristischer Unterstützung zu ihrem Recht zu verhelfen. Aber auch wir machen uns nichts vor: Die politische Rechtsentwicklung in Deutschland wird das Klima für Geflüchtete weiter verschärfen und unsere Unterstützungsarbeit wird nicht leichter werden. Deshalb hoffen wir, dass wir STAY! e.V. weiterhin gemeinsam am Laufen halten können. Natürlich kommt auch dieser Weihnachtsbrief nicht ohne die obligatorische Bitte um finanzielle Unterstützung aus, aber noch wichtiger ist es für uns zu wissen, dass wir mit unseren Klientinnen und Klienten nicht alleine sind. Dankeschön dafür!