Syrische Mutter nach drei Jahren wieder mit Kindern vereint

von Christoph Borschel/Express

Ihr Schicksal steht stellvertretend für viele andere Menschen, die aus ihrem Heimatland vor dem Krieg flüchten mussten und in Deutschland Schutz gesucht haben. Vor ziemlich genau drei Jahren kam Rajaa Kabtoul aus Syrien nach Deutschland. Ihre Kinder musste sie zurücklassen. Seit Freitag ist die Familie wieder vereint.
Es ist 6.04 Uhr am Düsseldorfer Flughafen. Draußen ist es noch dunkel und kalt, die Stadt ist noch ein gutes Stück davon entfernt, erwacht zu sein. Nicht so vor Gate 6 im Ankunfts-Bereich.Hier steht Rajaa Kabtoul und wartet sehnsüchtig auf die Ankunft des Germania-Fluges ST2995 aus Beirut. Immer wieder guckt sie nervös auf die Anzeigetafel am Airport.

Vor drei Jahren Flucht aus Syrien
In dem sehnsüchtig erwarteten Flieger sitzen ihre beiden Kinder. Seit sie vor drei Jahren ihr Heimatdorf nahe Damaskus in Syrien verlassen musste, hat sie ihre beiden Liebsten nicht mehr gesehen. Damals waren ihre Tochter Emam gerade einmal sieben Jahre alt, ihr Bruder Momen acht. Die gelernte Buchhalterin Rajaa Kabtoul hatte eigentlich damit gerechnet, ihren Mann und ihre Kinder zeitnah zu sich zu holen. Doch das Schicksal spielte ihr übel mit: Ihr Mann starb durch eine Panzergranate, und die Bundesregierung gab den lauten Stimmen von rechts nach und setzte den Familiennachzug aus.
Die Kinder mussten drei Jahre mitten im Kriegsgebiet leben – ohne Eltern. Der Großvater kümmerte sich um sie, konnte nach einer ALS-Erkrankung aber nicht mehr helfen. Ein Onkel versorgte die Kinder zuletzt.

Die letzten Minuten vergehen schleichend
Um exakt 7 Uhr, nach 55 quälend langen Minuten durchbricht auf einmal ein lauter Aufschrei die angespannte Stille im Ankunftsbereich. Zwischen Geschäftsleuten und Passanten stürzt Rajaa Kabtoul ihren Kindern, die soeben den Zoll-Bereich verlassen haben, entgegen. Sie umarmt sie, lässt sich minutenlang nicht mehr los. Nicht nur bei ihr kullern die Tränen. „Ich habe keine Worte für das, was ich gerade empfinde. Es ist so schön.“
Rajaa ist eine von 1000 Flüchtlingen mit subsidiären Schutz, die ihre Kinder zu sich holen dürfen. Mehr dürfen die Behörden monatlich nicht ins Land lassen. Dass sie ihre Kinder nun wieder in die Arme schließen darf, verdankt sie zu einem Großteil auch der Düsseldorfer Flüchtlings-Initiative „Stay“.

Große Hilfe von „Stay“
Oliver Ongaro und Haitam Khalil hatten im Vorfeld alle Kontakte angezapft, die sie durch die lange Arbeit der Organisation haben. Am 6. Dezember war das Visum für die Kinder fix – und damit die letzte Hürde genommen. „Es geht darum, zu begreifen, was für Schicksale hinter den harten Zahlen stecken“, sagt Ongaro. Für Rajaa Kabtoul und ihre Kinder wird der 14. Dezember für immer in Erinnerung bleiben. „Advent“ bedeutet übrigens Ankunft – sehr passend!

Kommentar von Christoph Borschel/Express

Artikel von report-d

WDR Lokalzeit