Kinder und Jugendliche mit Fluchtgeschichte auf der Düsseldorfer Kirmes

Am Donnerstag, den 19.07. hat die Initiative „Perspektive Heimat!“, ein Zusammenschluss verschiedener gemeinnütziger Düsseldorfer Organisationen (fiftyfifty, Schmitz-Stiftungen, STAY!, vision:teilen) zum dritten Mal Kinder und Jugendliche mit Fluchthintergrund oder aus benachteiligten Familien auf die Düsseldorfer Rheinkirmes eingeladen. Möglich machte diese Einladung ein weiteres Mal die Special Event Management OHG Oskar Bruch jr. in Zusammenarbeit mit weiteren Schaustellern und dem Wirtschaftsclub Düsseldorf GmbH. Wie in den vergangenen Jahren startete der Besuch der Kirmes mit einer Fahrt mit dem Riesenrad, gefolgt von einem Imbiss im Französischen Dorf. Im Anschluss standen weitere Fahrten mit diversen Fahrgeschäften auf dem Programm.

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WDR Lokalzeit

Aktion Seebrücke – schafft sichere Häfen. Düsseldorf für Humanität. Demonstration zur Solidarität mit Seenotrettern und Geflüchteten

„Wir diskutieren jetzt also ernsthaft, ob es legitim ist, Menschenleben zu retten? Hätten wir die Leute einfach ertrinken lassen, würde ich jetzt wohl nicht vor Gericht stehen, das ist schäbig und eine Gefahr für die Demokratie.“ Diese Worte äußerte Claus-Peter Reisch, Kapitän des Schiffes Lifeline, die als Teil einer zivilgesellschaftlichen Initiative Menschen vor dem Ertrinken im Mittelmeer rettet. Reisch steht in Malta vor Gericht, weil er sich weigerte, die Geretteten nach Libyen auszuliefern, in ein Land in dem ihnen Vergewaltigung, Folter und Mord drohen. Die Lifeline wird ebenso wie andere zivilgesellschaftliche Seenotrettungsschiffe und Aufklärungsflugzeuge am Auslaufen gehindert. Während sie von den Behörden Maltas, Italiens und der EU schikaniert werden, ertrinken immer mehr Menschen im Mittelmeer, allein in den letzten vier Wochen mindestens 600. Die zivilen Seenotrettungsinitiativen entstanden, weil sie der tödlichen Flüchtlingspolitik der Festung Europa nicht länger zusehen konnten. Jetzt ist es an uns, ihnen beizustehen.

STAY! ruft daher für Samstag ab 11 Uhr zur Aktion Seebrücke Düsseldorf zusammen mit dem Bündnis „Düsseldorf stellt sich quer“, anderen Parteien, Organisationen und Gewerkschaften auf. Die Demonstration soll vor dem DGB Haus starten und bis zum Burgplatz verlaufen und ist mit bis zu 1000 Teilnehmenden angemeldet. Bei der Demonstration soll, wie in vielen anderen Städten zuvor unter dem Titel „Seebrücke – schafft sichere Häfen“ die Solidarität mit Geflüchteten und den Seenotrettern gezeigt werden

Solidarität mit den Geflüchteten und den Seenotretter*innen!
Für ein Ende von Abschottung und Abschiebungen!
Schafft legale Einreisewege, sichere Ankunftshäfen und solidarische Städte für Geflüchtete! #Seebrücke

Demonstration Aktion Seebrücke
am Samstag, 21. Juli 2018,
11:00 Uhr
vor dem DGB-Haus, Friedrich-Ebert-Straße 34-38, Düsseldorf

10 Jahre STAY!

STAY! heißt bleiben!

Im Juni vor zehn Jahren eröffnete der Verein STAY! Düsseldorfer Flüchtlingsinitiative seine Beratungsstelle um papierlose Geflüchtete und Menschen mit unsicherem Aufenthaltsstatus zu unterstützen. Vorausgegangen war der Gründung der Vereins der zweijährige Kampf um das Bleiberecht der Romafamilie Idic aus Düsseldorf. Angefangen hat alles mit einem 15jährigen Mädchen, Semra Idic. Sie wollte es nicht hinnehmen, dass ihre Familie nach 15 Jahren Leben in Düsseldorf in ein Elendsdorf nach Serbien abgeschoben wird. Sie musste zusehen, wie ihr Vater abgeschoben wurde, damit – so die Logik der Ausländerbehörde – auch der Rest Familie, die Mutter und Semras drei jüngere Geschwister freiwillig ausreisen. Doch es kam alles anders. Semra überzeugte den Kirchenrat der Düsseldorfer Lambertusgemeinde und so gab es dort das erste Asyl in einer katholischen Kirche. Durch die große Anteilnahme an ihrem Schicksal, die zahlreiche Unterstützung aus der Stadtgesellschaft und die vielen Medienberichte konnte Familie Idic schließlich nach fast zwei Jahren zähen Ringen mit den Behörden in Düsseldorf bleiben. Schließlich durfte auch Semras Vater nach vielen Jahren der Trennung von seiner Familie wieder einreisen. Der Fall erregte bundesweit mediales Aufsehen und wurde zum Synonym für Hunderttausende von Abschiebung bedrohter Menschen.  So reifte die Idee einen Verein zu gründen, der Menschen in ähnlich schwierigen Lagen unterstützt, eine Beratung für Geflüchtete anzubieten, die nur geduldet werden und jederzeit abgeschoben werden können. Menschen zu helfen, die gar keine gültigen Aufenthaltspapiere besitzen.

Zeitgleich entstand eine Initiative von jungen Medizinstudierenden an der Heinrich-Heine-Universität. Sie wollten ein medizinisches Versorgungsnetzwerk anbieten, dass papierlose Flüchtlinge behandelt. Denn Menschen ohne Aufenthaltserlaubnis lassen oft aus Angst vor Entdeckung und drohender Abschiebung akute Erkrankungen nicht behandeln. Diese können sich zu chronischen Krankheiten entwickeln, die in manchen Fällen sogar lebensgefährlich werden.

Aus Beidem entstand schließlich der Verein STAY! Düsseldorfer Flüchtlingsinitiative, mit einer Rechts- und Sozialberatung und dem Projekt MediNetz, eine medizinische Versorgung von papierlosen Geflüchteten. Ein Ladenlokal auf der Hüttenstraße wurde angemietet, die Möbel kamen aus einer Firmenauflösung und ein kleiner Behandlungsraum wurde eingerichtet.

WDR Lokalzeit Bericht

report-d

NRZ Artikel

JW – Artikel

Benefiz-Kunstausstellung zum 10. Geburtstag von STAY!

Kaum zu glauben, aber es stimmt wirklich: In diesem Jahr wird die Düsseldorfer Flüchtlingsinitiative STAY! e.V. 10 Jahre alt! Das ist für uns einerseits Anlass zum Feiern, andererseits aber auch Anlass zur Sorge um die Zukunft unserer Klientinnen und Klienten, denn auch bei uns geht das Spendenaufkommen, mit dem wir unsere Arbeit finanzieren,zurück.  Aus beiderlei Anlässen veranstalten wir vom 8. bis 24. Juni 2018 eine Benefiz-Kunstausstellung, bei der Sie und Ihr Kunst erwerben und gleichzeitig unsere Arbeit unterstützen können bzw. könnt. Fiftyfifty-Galerie, Jägerstr. 15, 40231 Düsseldorf. Öffnungszeiten: Mo – Fr von 11 – 17 Uhr, Sa 14 – 17 Uhr.

Informationen zu Künstler/inne/n, Werken und Preisen

Geboten werden Werke namhafter Künstlerinnen und Künstler wie z.B. Candida Höfer, Thomas Ruff, Thomas Rentmeister oder Katharina Sieverding; auch signierte Plakate von Andreas Gursky stehen – professionell gerahmt – zum Verkauf. Besonders freuen wir uns darüber, dass auch jüngere Künstlerinnen und Künstler, wie z.B. Barbara Hlali, Andreas Langfeld oder Bastian Hoffmann die Ausstellung mit Beiträgen unterstützen. So reicht die Bandbreite der Kunst, die zum Verkauf steht, vom kleineren (400,- €) bis zum größeren (4500,- €) Geldbeutel. Bereits die Eröffnung der Ausstellung mit vielen Künstlern, Kunstinteressierten und Unterstützern von STAY! war ein großer Erfolg und einige Kunstwerke sind bereits verkauft.

RP Artikel

Express

report-d

Wie alles begann… aus dem Kampf für das Bleiberecht von Familie Idic gründete sich STAY!

Eine Düsseldorfer Familie

Vorne: Mutter Resmi, Tochter Vesna mit Ricardo auf dem Arm und Vater Vlasta. Hinten steht der 18-jährige Ediyan, der heute als Küchenhilfe arbeitet. Am Tag seiner Einschulung wurde er vielen im Land bekannt, weil der damalige Ministerpräsident Jürgen Rüttgers ihn für sein Ritual zum Schulstart an die Hand nahm. RP-Foto: Andreas Bretz

VON GÖKÇEN STENZEL/Rheinische Post

Was machen Semra und ihre Geschwister heute? Vor zwölf Jahren nahm ganz Düsseldorf Anteil an ihrem Schicksal.

Ein Haus in der Altstadt. Die Fassade sieht bröckelig aus, die Gitter vor den blinden Fenstern schützen leere Zimmer dahinter. Es soll bald abgerissen werden, deshalb sind fast alle Bewohner ausgezogen. Drinnen wartet ein trister Hausflur, durch die Luken sickert graues Licht. Nichts deutet darauf hin, dass die Geschichte der Familie, die hier als einziger Mieter auf einer der oberen Etagen verblieben ist, an Spannung schwer überboten werden kann.

„Wir ziehen auch bald aus“, sagt die 23-jährige Vesna Idic, nachdem sie den Gast in die gemütliche Wohnung geführt hat, die die Familie bewohnt. Die junge Frau ist der lebende Kontrast zu dem tristen Haus: Vital und gut gelaunt ist sie. Ihre Augen leuchten, wenn sie ihr Söhnchen Ricardo anschaut. „Die katholische Kirche“, erzählt Vesna weiter, „ist Eigentümer dieses Hauses und möchte hier etwas anderes hinbauen.“ Idic und die Kirche sind also noch immer eng miteinander verbunden. Doch davon später mehr.

Vesna: „Ich selbst habe zwar längst eine eigene Wohnung. Aber mein jüngerer Bruder, der hier wohnt, und meine Eltern suchen noch.“ Die Eltern, das sind der 51-jährige Vater Vlasta und seine 48-jährige Ehefrau Resmi, ein Paar, das fünf Jahre zwangsgetrennt war. Sie waren serbische Kriegsflüchtlinge, doch nicht das Gewirr des Krieges auf dem Balkan trennte sie, sondern der deutsche Staat. Da war der Krieg vorbei. „Es war furchtbar“, sagt der Vater heute, während er auf seiner Couch sitzt. Die dunklen Augen blicken nachdenklich durch die Brillengläser, auf den laufenden, stumm gestellten Fernseher achtet niemand. „Ich verstand die Welt nicht mehr.“ Continue reading